"Der „Werther-Effekt“ bezeichnet das Nachahmungsverhalten medial vermittelter Suizide (Phillips 1974). Dass suizidales Verhalten von Kindern und Jugendlichen durch Imitation erlernt werden kann, ist bekannt (Schmidtke und Schaller 2000) und zwar sowohl durch reale als auch fiktive Vorbilder (Stack 2003). In einer Zeit, in der sich Jugendliche viel im Internet bewegen, spielen daher auch spezielle Suizid-Chatrooms eine besondere Rolle. Mittlerweile spricht man hier vom „Cybersuizid“ (vgl. Becker et al. 2004). Die Anonymität des Internets, die gleichzeitig Verständnis und Anteilnahme an der eigenen Problematik durch andere User ermöglicht, ist dabei Chance und Risiko zugleich. Problematisch ist nach Prass (2002), dass durch den Austausch in den entsprechenden Foren die Hemmschwelle zum Suizid herabgesetzt wird. So gibt es Fälle, in denen in Chatrooms angekündigte Suizide nachweislich auch durchgeführt wurden (Dlubis-Mertens 2003)."